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Wie man mit Aktien Geld verdient

Die CANSLIM-Strategie von William O‘Neil

  • 08.12.2021 um 18:00 Uhr
  • 05.01.2022 um 18:00 Uhr
  • 02.02.2022 um 18:00 Uhr

In diesem Coaching-Webinar lernen Sie:
- So setzen Sie die Strategie mit Hilfe des Aktien-Screeners von TraderFox in
der Praxis um.
- So funktioniert die CANLSIM-Strategie von William O‘ Neil, die dieser in
seinem Buch "Wie man mit Aktien Geld verdient" vorgestellt hat.

Die CANSLIM-Investmentmethode von William O‘Neil

Eine Anlagestrategie, um von Innovationswellen im Kapitalismus gezielt zu profitieren

 

Liebe Leser,

wo sind die Tycoons früherer Zeiten geblieben? Nach dem Bürgerkrieg wurde die Entwicklung Amerikas von Unternehmerpersönlichkeiten wie dem Stahlmagnaten Andrew Carnegie, dem Eisenbahn-König John Gould, dem Finanzier J. P. Morgan und dem Ölgiganten John D. Rockefeller maßgeblich vorangetrieben. Um 1900 dominierten deren Firmenimperien die USA derart, dass ein Machtwechsel an Amerikas Wirtschaftsspitze unvorstellbar erschien. Doch heute, mehr als 100 Jahre später, kennt kaum noch jemand die Namen von Carnegie oder Gould und deren einst kolossalen Firmengeflechten. Was war geschehen? Die kapitalistische Entwicklungsdynamik hat das Wirtschaftsleben in den letzten 100 Jahren von innen heraus mehrmals revolutioniert. Neue Männer sind heute an die Stelle der damaligen Tycoons getreten. Neue Unternehmen und neue Produkte  bestimmen heute  das Wirtschaftsleben.

Der Kapitalismus bringt seit seinem Bestehen neue Innovationswellen hervor, die nicht nur zu ganz erheblichen Veränderungen der industriellen Strukturen führen, sondern auch an den Aktienmärkten ihre Spuren hinterlassen. Das Aufkommen neuer und  revolutionärer Technologien führt regelmäßig zu einem Verlust der Marktbewertung  von physischem und immateriellem Kapital, das noch den bisherigen Stand Technologie verkörpert. Die Wissenschaftler Laitner und Stolyarov zeigen, dass die Entwicklung des Mikroprozessors zwischen 1974 bis 1984 den aggregierten Marktwert von US-Unternehmen unter ihre Wiederbeschaffungskosten drückte. Der Mikroprozessor und der Beginn des Computerzeitalters stellen etablierte Geschäftsverläufe radikal auf den Kopf und machten gesamtwirtschaftlich gesehen, den Aufbau eines neuen Kapitalstocks erforderlich.

Solche drastischen Innovationen, die etablierte Rahmenbedingungen aufbrechen, werden als "General Purpose Technologies (GPTs)" bezeichnet. GPTs führen zu ganz erheblichen Veränderungen und meist zu einem tiefen Wandel, sowohl auf Seiten der Haushalte als auch auf Seiten der Firmen.  In Zeiten, in denen revolutionäre Technologien in den Wirtschaftsapparat eingeführt werden, zeigen die Datenreihen Phasen der Prosperität. Die Wirtschaft wächst, getrieben von starken Produktivitätsgewinnen. Beispiele sind das Zeitalter der Elektrifizierung, der Start der IT-Revolution als Intel 1971 den Mikroprozessor "4004" vorstellte oder das Emporkommen des Automobils. Henry Ford, der mit dem Start der Serienproduktion des Automobils tausende neue Arbeitsplätze und Zulieferzweige schuf, war gleichzeitig der manifestierte Alptraum der Pferdekutschen-Hersteller, samt der zuliefernden Handwerksbetriebe und der Holzindustrie.

Die Innovatoren, die mit neue Technologien, Produktionsmethoden oder Geschäftskonzepte die Märkte erobern, sind fast immer neue Unternehmen. Etablierte Großkonzerne neigen zum Konservatismus. Die Fähigkeit, neue Trends und Entwicklungen mitzugehen, schwindet erfahrungsgemäß mit der Unternehmensgröße. Ausnahmen wie Apple, wo der Visionär Steve Jobs den gesamten Konzern auf neue Produkte hin ausrichtete, sind eher selten. Häufiger ist, dass Giganten wie Microsoft von jungen Firmen wie Google in einer neuen Technologie überrannt werden. Auch der Werdegang von Facebook, angeführt vom jungen Marc Zuckerberg, steht beispielhaft für die Art und Weise  wie neue Innovationen quasi über Nacht einen Markt in seinen Grundfesten erschüttern können. 

Folgerungen für Anlagestrategien

Wenn also der Wandel an sich das wesentliche Faktum des Kapitalismus verkörpert und die dominierenden Unternehmen, die die höchsten Börsenkapitalisierungen stellen, Jahrzehnt für Jahrzehnt andere sind, bietet es sich an, Anlagenstrategien auf diese dynamischen Veränderungsdynamiken abzustimmen.  Ein Investmentansatz, der langfristig funktionieren soll, darf nicht losgelöst von den Gesetzen des Kapitalismus aufgestellt werden. Ein Investor zum Beispiel, der konsequent Aktien kauft, die stark verloren haben und relative Schwäche zeigen, läuft Gefahr auf Unternehmen zu setzen, die gerade von einer drastischen Innovation überrollt werden.  Ähnlich wie es Nokia gerade mit dem iPhone von Apple ergeht. Ein Investmentansatz sollte daher ein Konzept verfolgen, das die Chancen erhöht, bei einer neuen Innovationswelle oder einer neuen General Purpose Technologie dabei zu sein, anstatt sie zu verpassen.

CANSLIM. Die Methode von William O‘ Neil, um die besten Aktien zu identifizieren

Auf der Suche nach Handelsansätzen, die mit der Funktionsweise des kapitalistischen Systems am besten in Einklang stehen, sticht die CANLSIM-Strategie von William O’Neil weit hervor. William O’Neil hat untersucht welche gemeinsamen Eigenschaften die größten Gewinneraktien aller Zeiten zu Beginn ihrer Kursanstiege aufwiesen. Wenn sich hierbei ein einheitliches Schema abzeichnete, könnte man die gefundenen Kriterien auch zur treffsicheren Identifizierung zukünftiger Gewinneraktien verwenden, so die These. Es gab  in der Geschichte der Wall Street dutzende von Aktien, deren Kurse sich in überschaubaren Zeiträumen verzehn- oder gar verhundertfachten. Diese Kursanstiege wurden dabei fast immer von einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung begleitet. Der Kursanstieg war die unmittelbare Reaktion auf einen exorbitanten Anstieg der Unternehmensgewinne. Die Ausgangsfrage von William O’Neil für seine Recherchen lautete: "Welche entscheidenden, gemeinsamen Merkmale hatten die größten Kursgewinner in der Börsengeschichte Amerikas vor ihren atemberaubenden Kursanstiegen." Das Ergebnis der Recherchen von O’Neil ist die CANSLIM-Methode, ein siebenstufiger Investmentprozess, um die besten Aktiengesellschaften Amerikas ausfindig zu machen.  

Die Grundregeln von William O’Neil: Was den erfolgreichen vom erfolglosen Anleger unterscheidet

"Ein erfolgreicher Anleger lernt, das zu tun, was die meisten Anleger nicht zu tun bereit sind", schreibt O'Neil. Die meisten Anleger verwenden keine Charts als Hilfe für ihre Investmententscheidungen. Sie schaffen es nicht, Aktien zu kaufen, die neue Hochs erreichen und haben nicht den Mut, alle Verluste konsequent auf 8% zu begrenzen. Und noch weniger Anleger bringen es übers Herz, eine Aktie zu einem höheren Preis zurückzukaufen, die sie zuvor zu einem günstigeren Preis mit Verlust verkauft hatten. So verhalten sich 90% der Anleger und diese 90% sind bei ihren Börsengeschäften meist nicht sonderlich erfolgreich. O'Neil hat folgendes gelernt:

  • Der erfolgreiche Anleger kauft Aktien, wenn sie auf dem Weg nach oben sind, nicht wenn sie fallen. Er verbilligt auch niemals eine Aktie, wenn sie gefallen ist, sondern kauft erst dann nach, wenn die Aktie über dem Kaufpreis notiert.
  • Der erfolgreiche Anleger kauft Aktien, die in der Nähe ihrer Jahreshochs notieren und verfällt nicht dem psychologischen Irrtum, Aktien für günstig zu halten, die stark gefallen sind.
  • Der erfolgreiche Anleger hat gelernt, dass es viel wichtigere Größen gibt als Buchwert, Dividendenrendite oder das KGV einer Aktie. Bei der Identifizierung der erfolgreichsten Unternehmen Amerikas und der erfolgreichsten Aktien hatten diese häufig verwendeten Standardgrößen so gut wie keinen Vorhersagewert. Viel wichtiger ist es sicherzustellen, dass das Unternehmen in seiner Branche die Nr. 1 ist, über ein starkes Gewinnwachstum verfügt und die Aktie positive Preis- und Volumenänderungen zeigt.
  • Der erfolgreiche Anleger verwendet Charts als wesentliches Element seiner Investitionsentscheidungen. Es ist entscheidend genau dann zu kaufen, wenn sich bereits eine Aufwärtstendenz eingestellt hat und wenn die Wahrscheinlichkeit so gering wie möglich ist, dass der Stopp-Kurs von 8% ausgelöst wird.

Es mag für erfahrene Chartanalysten zunächst grotesk klingen, aber die Chartformation, die William O’Neil als wichtigste Kursformation zur Ankündigung großer Kursgewinner identifiziert hat, ist die "Tasse mit Henkel" Formation. Die Tassenformationen haben eine zeitliche Ausprägung von sieben bis 65 Wochen. Die Korrekturspanne von der Oberkannte der Tasse bis zum Boden der Tasse reicht für gewöhnlich von rund 12 bis 33 Prozent. Einer Tassenformation sollte, damit sie eine bedeutsame Aussagenkraft hat, immer ein Aufwärtstrend vorausgehen. Wenn man die Ausbildung der Tassenformation interpretiert, deutet sie auf eine Aktie hin, von der sich die unsicheren Hände schon längst abgewendet haben und von der Spekulanten sich im Allgemeinen nicht angezogen fühlen. Ein idealer Nährboden also für zukünftige Kursgewinne.

Schaubild 1 zeigt die Apple Aktie, die im Zeitraum von Oktober 2003 bis März 2004 eine Tasse mit Henkel Formation ausbildete und danach zu einer großartigen Kursrally ansetzte.

Apple: Tasse mit Henkel Formation als Vorläufer der Kursrally

Welcher Börsianer träumt nicht auch davon, sich die Apple-Aktie bereits 2003 ins Depot gelegt zu haben. Unter Beachtung der CANSLIM-Kriterien, die Apple zu 100% erfüllte, wäre die Wahrscheinlichkeit für ein Investment in Apple deutlich gestiegen.

Schaubild 2 zeigt die Aktie von Precision Castparts, die eine Tasse mit leicht abrutschendem Henkel ausbildete. Der Titel konnte im Anschluss um über 100% in wenigen Monaten zulegen.

Precision Castparts: 100% Kursgewinn nach Tasse mit Henkel Formation

Tasse mit Henkel Formationen spülen nervöse Anleger, die sogenannten zittrigen Hände, aus dem Markt heraus. Es sind in der Summe überzeugte Investoren dabei, die nicht bei jeder kleinen Kurskorrektur ihre Positionen wieder schmeißen.

Große Kursrallys in der US-Börsengeschichte

In seinem Buch "Wie man mit Aktien Geld verdient" stellt William O'Neil 100 kommentierte Charts der größten Gewinneraktien an der Wall Street von 1880 bis 2008 vor.  Durch das Studium dieser außergewöhnlichen Kursanstiege und insbesondere welche Merkmale und Gemeinsamkeiten die Titel im Vorfeld ihrer Kursrallys aufwiesen, konnte O'Neil die Eckpunkte seiner Anlagestrategie entwickeln. Es folgen einige Beispiele legendärer Börsengewinner:

  • Xerox brachte den ersten vollautomatischen Kopierer für Normalpapier auf den Markt, der die Bürowelt revolutionierte. Von 1957 bis 1962 verzwanzigfachte sich die Aktie.
  • Die Aktie von Flightsafety International stieg ab Juni 1977 innerhalb der nächsten vier Jahre von 3,20 USD auf über 50 USD. Das Unternehmen entwickelte eine neue Art von Hightech-Simulatoren für Flug- und Schiffskapitäne. Trotz der heftigen Baisse-Phase 1977 erreicht die Aktie Mitte 1997 ein neues 52-Wochenhoch und setzte ihren Kursanstieg daraufhin fort.
  • Der schnelle Aufstieg des Unternehmens Wal-Mart Stores begann im Juni 1980 als die Aktie über die 8 USD-Marke ausbrach und in den darauffolgenden drei Jahren unter einer massiven Zunahme des Handelsvolumens akkumuliert wurde. Im Juni 1983 überschritt Wal-Mart Stores die Marke von 80 USD. Eine Verzehnfachung in drei Jahren. Das Discount-Markt Prinzip bescherte den Konsumenten günstige Preise und brachte 1,5 Millionen Amerikanern neue Arbeitsplätze.
  • Der Aktienkurs von Home Depot verhundertfachte sich von 1981 bis 2000. Aus einer anfänglichen Investmentsumme von 1000 USD wurden 100.000 USD. Das Unternehmen wurde von zwei entlassenen Arbeitern eines Eisenwarenladens gegründet. Home Depot verkörpert die klassische Story des amerikanischen Traums und machte viele Aktionäre zu Millionären.
  • Bill Gates revolutionierte mit der von ihm gegründeten Firma Microsoft den Computermarkt beziehungsweise erschuf diesen Markt neu. Der Aktienkurs von Microsoft verhundertfachte sich von 1986 bis 1999. Die Aktie hatte am Beginn ihres großen Anstieges alle Eigenschaften, die einen Gewinner ausmachten. Ein neues Produkt, hohe Umsatz- und Gewinnzuwächse sowie eine hohe Eigenkapitalrendite. Im Herbst 1986 brach die Aktie, begleitet von einem massiven Anstieg des Handelsvolumens, auf neue Hochs aus und begann ihre sagenhafte Rallybewegung. Der durchschnittliche Wochenumsatz vervierfachte sich während der Ausbruchsbewegung.

 

CANSLIM: Der siebenstufige Investmentprozess von O'Neil, um die besten Aktiengesellschaften Amerikas zu identifizieren.

Die entscheidenden Merkmale, die 95% der größten Kursgewinner an der Wall Street gemeinsam hatten, lassen sich im "CANSLIM-Regelwerk" zusammenfassen. Jeder Buchstabe steht dabei für eine Gruppe wichtiger Merkmale.

C = Current big or accelerating quarterly earnings per share

Die Unternehmen sollten einen deutlichen Gewinnzuwachs gegenüber dem Vorjahresquartal vorweisen. Je höher desto besser. O'Neil erwähnt einige Beispiele für den Gewinnanstieg, den Firmen vor dem großen Kursanstieg der Aktie gemeldet hatten. So stieg der Gewinn von Dell um 74 bzw. 108 Prozent in den beiden Quartalen vor der großen Kursrally. Google meldete in den beiden Quartalen vor dem atemberaubenden Kursanstieg Gewinnzuwächse von 112 und 123 Prozent. Apple meldete ein Quartal vor der großen Kursexplosion einen Gewinnzuwachs um 350 Prozent.  Wenn behauptet wird, dass die Börsen manchmal nicht die Fundamentaldaten widerspiegeln, so ist diese Aussage langfristig falsch. Große Kursanstiege von Aktien wachstumsstarker Unternehmen gingen in der Börsengeschichte Amerikas so gut wie immer mit dynamischen Steigerungen der Unternehmensgewinne einher.

A = Annual earnings increases

Ein einzelner guter Quartalsgewinn kann sich im Nachhinein nur als Strohfeuer entpuppen. Um dies auszuschließen, sollte auch der jährliche Gewinnzuwachs so hoch wie möglich sein.

N = New product, new enterprise or new service

Was hatten 95% der größten Kursgewinner, die O'Neil untersuchte, gemeinsam? Das Neue! Neue Unternehmen, neue Produkte, neues Management! Amerika wurde von tatkräftigen Unternehmern aufgebaut, die neue Produkte und neue Dienstleistungen ins Wirtschaftsleben einführten. Aktionäre sollten also gezielt nach Unternehmen suchen, die bedeutende neue Produkte entwickelt haben.  Die Philosophie dahinter ist klar. Ein neues Produkt wie zum Beispiel Apples iPad trifft auf einen noch komplett unerschlossenen Markt von mehreren hundert Millionen potenziellen Käufern weltweit.  Es gibt noch keine Konkurrenz, die im knallharten Wettbewerb über die Preise konkurriert. Innovatoren mit komplett neuen Produkten können daher schnell und mit hohen Gewinnmargen wachsen.

S = Supply and demand

Wenn eine Aktie steigt, ist es für gewöhnlich positiv, wenn dieser Kursanstieg von steigendem Volumen begleitet wird. Ein charttechnischer Ausbruch aus einer Konsolidierungsformation sollte von einem Volumenanstieg begleitet werden, der in etwa  40 oder 50 Prozent über dem normalen Umsatz liegt.

L = Leader or laggard

Aktionäre sollten die Marktführer einer Branche kaufen, deren Aktienkurse hohe relative Stärke zeigen und die Sektorbewegung anführen.  Die Marktführer haben meist die höchsten operativen Margen und gewinnen am schnellsten weitere Marktanteile hinzu. Sie dominieren die schwächeren Unternehmen. Oft suchen Börsianer sogenannte Nachzügler-Aktien, die noch am Boden liegen, während die "Leader-Aktie" täglich neue Hochs macht.  Diese Methode, Nachzügler zu suchen, ist selten von Erfolg gekrönt.

I = Institutional sponsorship

Die Investmentfonds Amerikas verwalten unzählige Milliarden von US-Dollar.  Es ist positiv für Aktien, wenn sich zunehmend mehr Fonds und Institutionelle in dem Papier einkaufen und die Anzahl institutioneller Unterstützer Quartal für Quartal seigt. In den USA gibt es viele Finanzdienstleister, die solche Daten veröffentlichen. Morningstar.com veröffentlicht zum Beispiel die 24 größten Positionen aller Fonds.

M = Market direction

Was nützt die beste Analyse einer Aktie nach den oben genannten Kriterien, wenn sich der Gesamtmarkt in einem Baisse-Trend bewegt und stark fällt? Etwa drei von fünf Ihrer Aktien würden in einem solchen Fall vermutlich unter die Räder kommen. Es ist darum wichtig, die Marktrichtung zu bestimmen.

Funktioniert die CANSLIM-Strategie auch heute noch?

Die CANSLIM-Strategie wird solange ein guter Filter für zukünftige Gewinneraktien sein wie das kapitalistische System Bestand hat. Kapitalismus kann in diesem Fall am besten als Wirtschaftsform definiert werden, die Privateigentum garantiert und die Privatinitiative zur Gründung von Unternehmen explizit unterstützt. Im Kapitalismus wird es immer Unternehmerpersönlichkeiten geben, die von der Aussicht auf hohe Gewinne motiviert, das Risiko eingehen, neue Produktinnovationen herzustellen und zu vermarkten. Diese Funktion des Kapitalismus, neue Innovationen herauszuschleudern, bedingt an den Aktienmärkten neue Trends, neue Chancen und neue Unternehmen, die von Garagenfirmen zu Weltunternehmen heranreifen.

Aktuell: Hersteller von 3D-Druckern erfüllen die CANSLIM-Kriterien

3D-Drucker stellen aus digitalen Daten dreidimensionale Gegenstände her. Bislang kamen 3D-Drucker überwiegend im industriellen Bereich zum Einsatz. In den Entwicklungsabteilungen großer Konzerne ermöglichen sie eine hohe Kostenersparniss bei der Herstellung von Prototypen. Wenn eine Automobilfirma zum Beispiel das neue Design einer Fahrzeugkonsole begutachten möchte, werden die mit Computersoftware designten Konsolen per 3D-Drucker materialisiert.

Der Sprung in den Massenmarkt steht unmittelbar bevor. Neue Applikationen ermöglichen den einfachen Umgang mit 3D-Objekten. Um von einer Person ein dreidimensionales Foto, sprich eine Skulptur zu erstellen, muss mit einer 3D-Kamera die Person einfach um 360 Grad umkreist werden. Eine Software erstellt dann automatisch ein digitales 3D-Objekt, das mit einem 3D-Drucker dann materialisiert werden kann.  Das gleiche Verfahren lässt sich natürlich auch auf Gegenstände oder Monumente aus dem Urlaub anwenden. Warum nicht einfach die Löwen-Statue aus Rom ausdrucken und ins Wohnzimmer-Regal stellen?

Die letzten Quartalszahlen von 3D Systems* deuten auf eine Unternehmensentwicklung hin, die voll in Einklang mit den CANSLIM-Kriterien steht.  Die Umsätze in Q1 2012 explodierten um +63% auf 77,9 Mio. USD. Der Nettogewinn konnte um 62% auf 13,2 Mio. USD zulegen. Das Unternehmen arbeitet also mit einer Nettomarge von 17%. Eine solche hohe Marge ist ein typisches Zeichen eines dominierenden Marktführers. 2011 wurden Umsätze in Höhe von 230,4 Mio. USD erzielt, 2010 waren es erst 159,9 Mio. USD. Durch den Eintritt in den Markt für Endverbraucher könnte sich nun ein dynamisches Wachstum einstellen.

3D Systems im CANSLIM-Check

  • C: Der Quartalsgewinn stieg um 62%. Positiv!
  • A: Der Jahresgewinn stieg 2011 um 84% auf 35,42 Mio. €. Seit 2008 ist eine stetige Zunahme der Profitabilität zu beobachten. Positiv!
  • N: 3D Drucker sind ein komplett neues Produkt. Positiv!
  • S: Der Kursanstieg der letzten Wochen wird von massiv steigendem Handelsvolumen begleitet. Positiv!
  • L: Mit einer Nettomarge von 17% ist das Unternehmen ein Leader. Die Aktie notiert auf Allzeithoch. Positiv!
  • I: Inwieweit sich Institutionelle in der Aktie einkaufen, konnte ich noch nicht prüfen.
  • M: Der Gesamtmarkt befindet sich in einer Hausse. Positiv!

 

 

*Hinweis nach §34 WPHG zur Aufklärung über mögliche Interessenskonflikte. Simon Betschinger besitzt mit Stichtag 14.05.2012 Aktien von 3D Systems.